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Angewandte Ethik. Eine Einführung

Pieper, A./Thurnherr, U. (Hrsg.) (1998):, München. Beck’sche Reihe 1261. 395 S. ISBN 3 406 42061 3

Das übersichtliche Taschenbuch behandelt leserfreundlich wohl alle Gebiete der gegenwärtigen ange-wandten Ethik. Die Themen sind Bioethik, Ökologie-Ethik, Tierethik, Medizinethik, Psychologische Ethik, Sozialethik einschließlich Wirtschaftsethik, Wissenschaftsethik, aber auch Teile der Individualethik und Philosophische Praxis. Problematisch ist jedoch die Anerkennung der Evolutionären Ethik und der feministischen Ethik.

Unserem Thema gemäß befassen wir uns im folgenden näher mit dem Beitrag von Peter Koslowski. Koslowskis Beitrag „Wirtschaftsethik“ (S 197-218) konzentriert sich auf die ethische Legitimation der Wirtschaftsordnung, die Ethik als Korrektiv von Ökonomieversagen, und auf die Wirtschaftsethik als angewandte normative Ethik des Wirtschaftens. Für diese Wirtschaftsethik sind die Grundlagen aus der Allgemeinen Ethik, die die Kriterien sittlichen Handelns enthält, von besonderer Bedeutung. Daher befassen wir uns hauptsächlich mit jenem normativen Ansatz und seiner Anwendung auf die Wirtschaft.

Gliederung

Die Allgemeine Ethik gliedert Koslowski gemäß der stoischen Theorie in die Tugend-, Güter- und Pflichtenlehre. Die Tugenden betreffen die Haltungen handelnder Personen, die Güter ihre geschätzten und bevorzugten Werte. Die Pflichten aber fordern, sich an die Regeln zu halten, die vernünftigerweise für die zwischen-menschlichen Beziehungen maßgebend sind. Dementsprechend geht es der Wirtschaftsethik um die Tugenden, die Güter einschließlich Präferenzen und um die Pflichten, die für Menschen in der Wirtschaft und in Unternehmen gelten sollen. Die effiziente und gerechte Lösung aber muß im Markt realisiert werden. Dabei handelt es sich um Sach- und um Tauschgerechtigkeit. Sachgerecht handeln heißt, der Natur der Wirtschaft gerecht werden. Tauschgerechtigkeit jedoch fordert, daß der Preis gerecht und der Tausch wechselseitig vorteilhaft ist. Ethik und Ökonomie schließen sich in der Regel nicht aus, sondern ergänzen sich. Die Wirtschaftsethik ordnet die inneren und nicht-gerichtsfähigen Pflichten, die zwischen den ökonomischen Spielregeln und den Normen des Wirtschaftsrechts liegen.

Fazit: Der normative Ansatz als solcher kann wegen seiner Vielseitigkeit und Klarheit begrüßt werden. Kritisch anzumerken ist aber, daß Koslowskis Einbeziehung seiner Ethischen Ökonomie in den normativen Ansatz und diesen teilweise in jene störend wirkt; auch die Bezifferung und Terminologie sind nicht immer überzeugend. Im Ganzen handelt es sich jedoch um eine bedeutende Arbeit, die auch klassische Themen berücksichtigt.

Prof. Dr. Reinhart Renschler; Gießen, Vorstandsmitglied der GWE

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Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik

Society for the promotion of economics and ethics