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Gewinne durch Abbau von Arbeitsplätzen?

Stellungnahme zur Debatte um die „ethische Verantwortung“ von Unternehmen, Arbeitsplätze zu schaffen

Die Arbeitslosigkeit ist in Deutschland in den letzten Jahren gewaltig angestiegen und wird wohl auch in Zukunft noch weiter ansteigen. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass insbesondere die großen Konzerne höhere Gewinne schreiben und Arbeitsplätze abbauen. So ist die verständliche Kritik aufgekommen, dass die großen Konzerne gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen hätten und Arbeitsplätze schaffen sollten. Die finanziellen Mittel seien ja vorhanden, sonst wären die Gewinne nicht so hoch. Wie ist dieser verständliche Gedanke ethisch zu bewerten?

Aufgabe der Unternehmen

Zuerst müssen wir fragen, welche Aufgaben ein Unternehmen in einer Wirtschaft hat. Die Wirtschaftstheorie unterstellt, dass es Aufgabe des Unternehmens ist, gute Produkte preisgünstig nach den Wünschen der Verbraucher zu erstellen. Ein Unternehmer, der den Verbraucherwünschen am besten gerecht wird und gleichzeitig die Produktionsfaktoren optimal kombiniert, kann mit einem hohen Gewinn rechnen. Der Gewinn ist Anreiz und Indikator für die wirtschaftliche Fähigkeit des Unternehmens, Konsumentenwünsche kostengünstig zu befriedigen.

Es ist also nicht Aufgabe eines Unternehmens, Arbeitsplätze zu schaffen. Im Gegenteil, es gehört mit zur ethischen Pflicht, die knappen Ressourcen dieser Erde bestmöglich zu nutzen. Eine knappe Ressource ist auch die Zeit, insbesondere die Arbeitszeit. Die Verschwendung von Arbeitszeit in den sozialistischen Systemen hat dort zum Niedergang dieser Gesellschaften geführt und nicht zum Wohlstand beigetragen. Es waren zwar alle beschäftigt, aber es wurde wenig für die Bürger geleistet.

Gewinnhöhe als Gradmesser für Wettbewerb

Hinterfragt werden muss jedoch die Höhe des Gewinns. In einer funktionierenden Marktwirtschaft im Sinne der deutschen Sozialen Marktwirtschaft soll der Wettbewerb dafür sorgen, dass Konsumenten preisgünstig Dienstleistungen und Güter in Anspruch nehmen können. Für niedrige Preise sorgt ein wirksamer Wettbewerb. Wettbewerb ist anstrengend; Firmen haben daher immer das Bestreben, sich diesen Anstrengungen zu entziehen. Die Anbieter eines bestimmten Gutes sitzen in einem Boot; sie werden sich absprechen und sich gegen die Kunden verbünden, um höhere Gewinne zu erzielen und dem Wettbewerbsdruck zu entgehen. Mächtige Verbände erreichen eine Abschottung der heimischen Wirtschaft durch ausländische Konkurrenz (beispielsweise die Entsenderichtlinie für den Baubereich). Die hohen Gewinne, insbesondere der großen Konzerne, sind also ein Ausdruck von Macht und fehlendem Wettbewerb. Nach wettbewerbspolitischer Auffassung müsste ein hoher Gewinn ein Anreiz für Nachahmer sein, diesen Konzernen den hohen Gewinn streitig zu machen, günstige Gegenangebote zu entwickeln, erfolgreiche Produkte, Produktionsmethoden und Produktionsverfahren zu imitieren und damit die so genannten Vorsprungsgewinne der Pionierunternehmen zu senken.

Werden also die hohen Gewinne kritisiert, dann kann man sie nicht dadurch bekämpfen, dass man unwirtschaftlich arbeitet und Arbeitskräfte, die anscheinend für die Produktion nicht notwendig sind, wieder einstellt. Die überhöhten Gewinne können nur durch eine wirksame Wettbewerbspolitik bekämpft werden. Dadurch würden Verbraucherpreise sinken, die Haushalte hätten real mehr Geld zur Verfügung und könnten andere Produkte kaufen, die dann von Firmen erstellt werden, die zur Herstellung dieser Produkte dann wiederum Arbeitnehmer einstellen. Diese Unternehmer haben dann wertvolle Produkte produziert, um damit Bedürfnisse der Bevölkerung zu befriedigen. Die Reduzierung der Gewinne über unproduktive Beschäftigung hingegen macht die Volkswirtschaft international weniger wettbewerbsfähig. Ökonomisch vorteilhafter wäre eine Verbesserung der Wettbewerbssituation, um durch den Einkommensgewinn für die Haushalte über eine höhere Nachfrage mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen.

Selbstverständlich sind die Tarifpartner nicht aus ihrer Verantwortung für eine solche Tarifstruktur zu entlassen und müssen für die Lohnhöhe Sorge tragen, die zu einem Ausgleich der Arbeitsmärkte führt. Auf diese Aspekte soll hier aber nicht eingegangen werden.

Fehlende Wettbewerbspolitik

Ein letzter Gedanke soll angeschlossen werden. Die großen Konzerne erhalten viele Vergünstigungen seitens des Staates. Auf der einen Seite fehlt eine konsequente Wettbewerbspolitik. Verzerrungen gegenüber dem Mittelstand sind in der praktizierten Wirtschaftspolitik zu beobachten. Man könnte argumentieren, dass als Gegenleistung für die Vorteile, die die großen Konzerne in unserer Wirtschaftsordnung erhalten, sie dann in einem höheren Maße Arbeitsplätze zur Verfügung stellen sollten. Eine solche Politik haben die öffentlichen Unternehmen in den Entwicklungsländern längere Zeit durchgeführt, mit katastrophalen Folgen für die Gesamtwirtschaft. Die bessere Politik ist und bleibt eine wirksame Wettbewerbspolitik und eine Wirtschaftspolitik, die vornehmlich ordnungspolitisch ausgerichtet ist.

Werner Lachmann

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