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Humanisierung des Managements: Ein ethischer Standpunkt

Hanssmann, Gräfelfing, 2001, ISBN: 3935197160

In der Humanisierungsdebatte besteht latent die Gefahr pseudo-normative Aussagen zu produzieren, die im Grunde genommen nichts weiter als die vernunftethische Verpackung einer Einzelmeinung darstellen. Nicht so bei Hanssmann. Das Streben nach echter Menschlichkeit im Management basiert im vorliegenden Werk auf dem christlichen Menschenbild und dem konkreten Wertesystem christlicher Offenbarung. Von Beginn an ist klar, dass keine Betrachtung aus Sicht des Humanismus erfolgt, sondern für das Management relevante christliche Werte zur Beurteilung einzelner Entscheidungsbereiche herangezogen werden. Die relevanten christlichen Werte werden gleich zu Beginn des Taschenbuches veranschaulicht.

Darauf aufbauend erfolgt die Argumentation und das Plädoyer für eine Humanisierung des Managements. Hanssmann gibt Orientierung, indem er auf drei Ebenen Entscheidungskriterien aufzeigt. Welchen Beitrag ein christliches Wertesystem für die Humanisierung des Managements leisten kann wird anhand dieser Ebenen konkret überprüft.

Der Autor beginnt mit einer Betrachtung der persönlichen Ebene. Hanssmann legt dabei Wert auf einen Ausgleich von Beruf und Familie und thematisiert Störungen im „Wertegleichgewicht“: Zum Beispiel Burnout und Überlastung oder die Aufopferung des Privatlebens. Oft sind diese Bereiche im alltäglichen Managerleben so lange ausgeklammert, bis sie zum Problem werden. Um so besser erscheint die kurze Behandlung an erster Stelle des Buches, da eine ausgeglichene Persönlichkeit Grundlage für verantwortungsvolle Entscheidungen darstellt.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der unternehmerischen Ebene. Hanssmann betrachtet zahlreiche klassisch betriebswirtschaftliche Teilbereiche, die vom wissenschaftlichen Standpunkt aus zunächst wertneutral erscheinen. Es wird jedoch schnell deutlich, dass es eine Neutralität im Management nicht geben kann. Manager haben Entscheidungen zu treffen, die zahlreiche Anspruchsgruppen unmittelbar betreffen. Dadurch entstehen Konfliktsituationen, in denen Orientierung gefragt ist.

Schon die Unternehmenskultur wirft die Frage auf: Woher kommen die zugrunde liegenden Werte? Dem Wirrwarr teilweise nahezu esoterisch anmutender Grundlagen tritt Hanssmann mit den Grundsätzen einer christlich orientierten Unternehmenskultur entgegen. Diese Grundsätze basieren nicht alleine auf dem Kalkül des Gewinnstrebens, sondern sind tiefer verwurzelt im christlichen Menschenbild der Bibel. Die derzeit in der Betriebswirtschaft wiederentdeckte Kundenorientierung wird ebenfalls hinterfragt. Ist Kundenorientierung nur Mittel zum Zweck der Renditensteigerung, oder kann sie als „Dienst am Nächsten“ verstanden und gelebt werden? Der Verfasser erläutert, in welcher Art und Weise gängige Methoden, wie zum Beispiel die Kundenselektion, das Produktportfoliomanagement oder das Kundenbeziehungsmanagement, in den anfänglich zugrunde gelegten Wertekatalog passen.

Ebenfalls behandelt Hanssmann die Thematik des Führungsstils und der Unternehmensorganisation. Der Autor versucht die Frage zu beantworten was Führung ist und welche Qualifikationen Sie erfordert. In einer erfrischenden Art und Weise erläutert der Autor im Leben des Managers sichtbare Voraussetzungen, die für erfolgreiche Führung notwendig sind. Beispielsweise basiert erfolgreiche Führung ebenso auf der Anerkennung von Autorität im eigenen Leben wie auch auf einer dienenden Grundhaltung. Ein weiterer Schwerpunkt der unternehmerischen Ebene ist die Behandlung von Zielkonflikten und der Frage ob diesbezüglich Rücksichtnahme möglich sein kann. Darüber hinaus werden Probleme der Planung und Entscheidungsfindung diskutiert. Abgerundet wird die unternehmerische Ebene mit der Erörterung vom Nutzen des Operations Research, einem Schwerpunktthema von Hanssmanns Forschungstätigkeit.

Die Ebene gesellschaftlicher Verantwortung rundet Hanssmanns Erörterung ab. Aktuelle Problembereiche der Tagespolitik wie z.B. ein überzogener Sozialstaat oder Arbeitslosigkeit werden ebenso besprochen wie Fragen des Umweltschutzes und der Bevölkerungsentwicklung.

Dem Büchlein Hanssmanns ist eine weite Verbreitung in Managementkreisen ebenso zu wünschen wie in studentischen Kreisen. Es enthält zahlreiche Denkanstöße, die eigene Handlungsweise zu überdenken, und am konkreten christlichen Wertekatalog zu messen. Der Schreibstil ist erfrischend verständlich und trotzdem wissenschaftlich akkurat. Gelungen ist vor allem die Darstellung, dass wirtschaftlicher Erfolg durch das Handeln auf Basis christlicher Ethik nicht ausbleiben muss. Im Gegenteil: Wirtschaftlicher Erfolg, eine ausgeglichene Managerpersönlichkeit und werteorientiertes Handeln gehen Hand in Hand.

Dipl.-Kfm. Harald J. Bolsinger, Nürnberg

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