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Ist Geldwertstabilität eine ethische Notwendigkeit?

Zu den faszinierendsten Themen der Wirtschaftswissenschaft gehört die Bedeutung des Geldes. Schon der Volksmund sagt: „Geld regiert die Welt!“ Oder: „Nichts bringt den Menschen schneller um seinen Verstand als die Liebe und das Geld!“. Es überrascht, dass die meisten Menschen mit ihrem Verstande zufrieden sind - die wenigsten mit ihrem Geld. Von dem österreichischen Ökonomen Joseph A. Schumpeter stammt die Behauptung, „daß sich im Geldwesen eines Volkes alles spiegelt, was dieses Volk will, erleidet, ist. ..... Nichts sagt so deutlich, aus welchem Holz ein Volk geschnitzt ist, wie das, was es währungspolitisch tut.“

Dabei ist Geld schwierig zu definieren. Geld gilt als hoch abstrakt und konkret zugleich, es dient als Maßstab und ist auch gleichzeitig messbar. Volkswirte nennen Geld ein Zahlungsmittel, für Soziologen ist es ein Mittel sozialer Differenzierung, für Moraltheologen die Inkarnation des Bösen, für Ethnologen dient es als Kultobjekt, und Juristen sehen darin einen Rechtsanspruch, für Literaten ist es eine Chiffre für Habgier, und für Dostojewski zählt es als „geprägte Freiheit“. Kritiker bezeichnen Geld als „Satans goldgewirkte Schlinge“. In der Neoklassik ist es nur ein Schleier, der über den Realsektor geworfen wird, für andere ein Bedürfnisbefriediger. Marxisten sehen es nur als einen „Fetisch“, für manche ist Geld Wert, für andere verkörpert es nur Wert. Für die Römer soll Geld nicht stinken aber auch nicht glücklich machen. Einfach gesagt. „Am Geld hängt letztlich alles!“

Denker und Dichter, Bürger und Politiker, Ökonomen und Soziologen, Literaten und Wissenschaftler, sie unterliegen immer wieder aufs Neue der Faszination des Geldes und bemühen sich, manchmal kritisch nüchtern, manchmal wissenschaftlich, manchmal poetisch, manchmal blumig, um das Verständnis des in der heutigen Weltwirtschaft wichtigsten Gutes.

Mit Geldpolitik war immer Verrat, Folter und Mord verbunden. Nicht umsonst sah man im Mittelalter falschmünzende Könige, Fürsten und Päpste in der Hölle rösten. Geld bestimmt den Charakter des Menschen, wie aus einer hübschen jüdischen Anekdote deutlich wird: Zu einem Rabbi kam einmal ein Mann und beschwerte sich, dass die armen Leute stets hilfsbereit, die reichen oft hartherzig seien. So fragte er, wieso die, die wenig zum geben haben, gerne geben und jene, die leicht geben könnten, dies so ungerne tun. Der Rabbi sagte darauf: Schau einmal durchs Fenster. Was siehst Du? Die Antwort des Mannes war: Ich sehe eine Frau, die einen Wagen zieht, wobei ihr ihr Sohn hilft. Dann sagte der Rabbi: Schau einmal in den Spiegel - was siehst Du nun? Der Mann antwortete: Ich sehe natürlich nur mich! Der Rabbi erläuterte: Dies ist genau das Problem: Ein wenig Silber - und man sieht nur noch sich selbst! Reichtum und Geld scheinen den Charakter eines Menschen negativ zu beeinflussen.

Wenn wir nun über Geld, Geldpolitik und Moral nachdenken wollen, dann soll zuerst auf den Nutzen des Geldes eingegangen werden, im zweiten Teil soll es um die Haltung des einzelnen zum Geld gehen und im dritten Teil um die ethische Bedeutung der Geldwertstabilität.

Funktionen des Geldes

In jeder arbeitsteiligen Gesellschaft entsteht das Bedürfnis nach einem Tauschmittel. Geld, das höchstwahrscheinlich sakralen Ursprungs ist, diente in allen Kulturen als ein Medium, das den Tausch erleichterte und damit zu einer Vertiefung der Arbeitsteilung bis auf eine regionale und internationale Arbeitsteilung beitrug. Adam Smith wird die Beobachtung zugeschrieben, dass Arbeitsteilung die Produktivität der Menschen erhöht. Arbeitsteilung führt zu einer vertieften Spezialisierung und damit zur Notwendigkeit, Güter zu erwerben, die andere Produzenten günstiger herstellen können als der eigene Haushalt. So kam es zu kleinen Geldkreisläufen regionaler Art und, nach Fortschritten im Fernhandel, auch zum Welthandel. Schon im Altertum haben die Griechen einen effizienten Fernhandel entwickelt, der eine der Grundlagen für den Reichtum der griechischen Städte war.

Aus dieser Sicht ist Geld positiv zu bewerten, da sein Gebrauch dazu verhilft, Wohlstand zu erhöhen und Not zu mindern. Man muss sich nur einmal vorstellen, wie zeitaufwendig Naturaltausche wären, da es oft an der doppelten Koinzidenz der Wünsche mangelt. Aus einem alten Reisebericht wird das Problem eines Naturaltausches und der fehlenden Koinzidenz der Wünsche deutlich. (1) Ein Reisender in Afrika benötigte zum Übersetzen in Tanganjika Boote. Das Zustandekommen des Mietvertrages wird sehr amüsant geschildert. Der Verwalter des Bootsbesitzers wollte in Elfenbein bezahlt sein, was der Reisende nicht besaß. Er erfuhr aber, dass Mohammed Ibn Salib Elfenbein hatte und Baumwollstoffe dafür wollte, was dem Reisenden auch nicht half, da er keinen Baumwollstoff hatte. Er erfuhr jedoch, dass Mohammed Ibn Gharib diesen hatte und Draht benötigte. Der Reisende besaß davon und gab Mohammed Ibn Gharib den verlangten Betrag in Draht, woraufhin er Mohammed Ibn Salib den Stoff gab, der seinerseits Syde Ibn Habibs Verwalter das gewünschte Elfenbein gab. Danach konnte der Reisende die Boote bekommen und über den See setzen. Das Beispiel macht deutlich, wie schwierig der Naturaltausch durchzuführen ist. Wie hoch ist der verlangte Betrag in Draht? in Baumwolle? in Elfenbein? Jedes mal müssen die Austauschrelationen der verschiedenen Tauschgüter neu festgelegt werden. Bei zwei Gütern lässt sich das noch leicht festlegen; bei 4 Gütern gibt es schon 6 und bei 10 schon 45 Preise.

Die Einführung des Geldes half zur Reduzierung der vielen Tauschrelationen. Daher wird Geld als Recheneinheit bezeichnet. Hieraus erklärt sich auch der sakrale Ursprung des Geldes. Für bestimmte Opfer waren Tiere vorgeschrieben. Hatte einer ein bestimmtes Tier nicht, konnte er es durch andere Tiere im gleichen Wert ersetzen, wodurch eine Tierart als Wertmaßstab fungierte. Im Altsächsischen bedeutet übrigens das Wort Geld soviel wie Opfer, Vergeltung, Zahlung. So läßt sich Geld als Recheneinheit bei der Berechnung von Opfern im Tempel erklären. Der erste „Markt“ wäre also der Tempelhof gewesen.

Geld dient jedoch nicht nur als Recheneinheit und Tauschmittel, sondern auch als eine Möglichkeit, Kaufkraft über die Zeit hin zu verlagern. Andernfalls müßte sofort ein Gegenkauf stattfinden. Geld erlaubt, den Austausch in Kauf und Verkauf zu unterteilen.

Die sachliche Sicht, die Bedeutung des Geldes aus den Funktionen zu deuten, hat nicht zu allen Zeiten im Vordergrund gestanden. Aristoteles betont nur die Tauschmittelfunktion des Geldes und tadelt daher Geldgeschäfte als Chrematistik (Bereicherungskunst), die nicht aus der Natur der Sache, sondern auf gegenseitiger Ausbeutung beruht. Geld wirft keine Jungen - demzufolge verurteilte er die Zinsnahme und wies darauf hin, dass Geld nur zur Erleichterung des Warenaustausches dienen solle. Geld war für Aristoteles eine tote und daher unfruchtbare Sache; Zinsnehmen galt als unsittlich! In der antiken Wirtschaft war Zinsnehmen dennoch üblich. In Rom und im Römischen Reich war der Zinssatz auf 12 % Jahreszinsen gesetzlich beschränkt. Der Beruf des Geldverleihers galt aber als unfein.

Das Konzil von Nicaea im Sommer 325 verhängte ein Zinsverbot für Kleriker, das Karl der Große 806 bzw. 813 auf die Laien ausdehnte. Seit dem 12. Jahrhundert waren Wucherer von Sakramenten und christlichem Begräbnis ausgeschlossen. Auch Thomas von Aquin sah im Zins Raub und Diebstahl und behauptete, dass Geld keinen Wert an sich habe wie andere Waren und Güter. Sein Wert beruhe auf einer Anordnung der Obrigkeit (valor impositus). Mit gewissen Tricks (für ein Darlehen wurde ein Geschenk gezahlt) umging man das Zinsnehmen und Zinszahlen, das zur Sünde erklärt worden war. Der Zins wurde einfach als Geschenk tituliert. Das Konzil von Trient erlaubte später einen Darlehenszins von 5%, der typische Zinssatz für Montes Pietatis, Leihhäuser, die Kleinkredite an kleine Handwerker bis zum Zinssatz von 5% gaben, wobei das Kapital aus Kollekten, Schenkungen und Stiftungen stammte.

Auch Luther kritisierte die Geldwirtschaft und bezeichnete Händel mit dem Gelde als Unrecht und wider Gott (2). Luther lebte im 16. Jahrhundert, was als Etikett „Jahrhundert der Preisrevolution“ erhielt (3). Zum Teil wegen der Edelmetallausbeutung Spanisch-Amerikas stieg die Geldmenge, was zu Preissteigerungen führte, da die Produktion mit dem Wachstum der Edelmetalle nicht Schritt hielt. Die Löhne folgten dieser Entwicklung mit weitem Abstand, so dass es zu einem säkularen Trend fallender Reallöhne kam. Die Zeitgenossen sahen die Ursache jedoch in menschlichen Charakterfehlern, in der Sünde der Habgier und des Wuchers. Auch einige Reichstage beschäftigten sich mit dem Preisanstieg, insbesondere mehrere Reichstage zwischen 1507 und 1530. Zinswucher, Monopolmachtmißbrauch usw. wurden heftig kritisiert. Einer der größten Schuldner, Karl V, der gleichzeitig den Vorsitz über den Reichshofrat hatte, sorgte dafür, dass die Versuche, Zinsbegrenzungen einzuführen, wirkungslos blieben. Verlierer waren jedoch die großen Bankhäuser der Welser und Fugger, die durch Moratorien des spanischen Staates (spanischer Staatsbankrott) ihre Bank- und Handelsgeschäfte liquidieren mussten.

Moral und Geldwertstabilität

Der spanische Staatsbankrott machte deutlich, dass es nicht nur ein Problem der Moral der Geldverleiher, sondern auch eine Moral der Schuldner geben muss. Allein im 16. Jahrhundert erklärte der spanische Staat fünfmal den Staatsbankrott. Die erlittenen Verluste führten zum Konkurs der Welser; die Fugger konnten sich auf ihren Großgrundbesitz zurückziehen. Die Geldgeber hatten keine Risikostreuung vorgenommen. 75% der Forderungen der Fugger waren an den spanischen Staat gerichtet.

Montesquieu betonte, dass hohe Zinsen nicht Ausfluss sündhafter Habgier, sondern das Ergebnis besonderer Risiken seien. Geld muss man mieten wie andere Sachen, die man benötigt. Zum reibungslosen Ablauf des Handels benötigt Geld auch einen Preis. Geld, das nichts kostet (Verbot der Zinszahlung) würde niemand verleihen, und demzufolge könnten die Kaufleute damit nicht handeln. Im Zinsverbot sah er die Quelle des Zinswuchers. Hohe Zinsen hielt Montesquieu nicht für eine Sünde, sondern für schädlich, weil die Kaufleute keine Kredite aufnehmen würden und damit nicht handeln könnten. Er betonte, dass Geldverschlechterung ein Unrecht gegenüber den Gläubigern sei, wobei Staatsbankrotte und überzogene Staatsfinanzierung Anlass hierzu gegeben hatten.

Nach Kant sollte Geld ein allgemeines Mittel sein, „den Fleiß der Menschen gegeneinander zu verkehren“. Die Geldproduktion müsse ebenso viel Fleiß kosten wie die Warenproduktion. Ist es leichter, Geld zu schaffen als Ware, käme zu viel Geld auf den Markt. Da die Herstellung von Papiergeld beinahe keine Arbeit koste, betonte er die Versuchung inflationärer Aufblähung der Geldmenge, die die Gesellschaft schädigt. Gefordert wurde, die Tugend der Zahlungsmittel zu hüten. Die Tugend besteht im inneren Wert. So wurde insbesondere von Metallisten die Kraft des Geldes im Edelmetall gesehen, das Geld repräsentieren würde. Die explosionsartige Ausweitung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs in der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts deutet an, dass die Tugend des Zahlungsmittels heute stärker bedroht ist als durch die Schaffung von Banknoten.

Die Gefährdung der Geldwertstabilität hat folgende Konsequenzen: Eine hohe Inflation führt zur Ablehnung des Geldes als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel bzw. als Recheneinheit. Die Geldfunktionen werden damit eingeschränkt, was zu Lasten der Arbeitsteilung und damit der gesellschaftlichen Wohlfahrt geht. In Lateinamerika und in Ländern Zentralasiens wurden mir des öfteren Dollarpreise genannt und nicht Preise in der heimischen Währung. Diese wurde als Recheneinheit nicht mehr genommen. In vielen lateinamerikanischen Ländern, die hohe Inflationsraten kannten, hat man ausländisches Geld (US-Dollar) gehortet, weil das Vertrauen in die heimische Währung nicht vorhanden war. Oft wurde die heimische Währung noch als Tauschmittel verwendet, das man so schnell wie möglich versuchte, wieder in den Umlauf zu bringen. In manchen Ländern der ehemaligen Sowjetunion sind bestimmte Güter nur noch gegen ausländische Devisen erhältlich, da die Bevölkerung dem eigenen Geld nicht mehr traut. Dies führt zur verstärkten Naturalwirtschaft und zur Verarmung großer Schichten der Bevölkerung, die sich gegen die Folgen der Inflation nicht wehren können.

Die Verteilungsfolgen der Inflation sind zum einen darin zu sehen, dass die Gläubiger Verlierer und die Schuldner Gewinner von Inflationen sind. Kredite werden nicht mehr - oder zu horrenden Zinsen - zur Verfügung gestellt. Der Staat als der größte Schuldner kann durch eine 10 %ige Inflationsrate 10 % seiner Schulden abbauen; bei über 2.000 Mrd. DM Verschuldung der öffentlichen Hände bedeutet eine 10 %ige Inflation einen Verlust von 200 Mrd. DM für die Gläubiger. Gerade die ärmeren Schichten der Bevölkerung, Arbeitnehmer, Rentner, alle Personen, die auf staatliche Leistungen angewiesen sind, verlieren durch die Inflation. Erinnert werden sollte an die katastrophalen Folgen der deutschen Geschichte durch die hohe Inflation und die Vernichtung des Mittelstandes, die zum Aufstieg des Nationalsozialismus führte. Daher ist Geldwertstabilität eine ethische Notwendigkeit (4).

Geld an sich hat keinen guten oder schlechten Charakter. Geld und Moral stehen sich deshalb neutral gegenüber. Das Problem des Geldes besteht nicht in dem ihm innewohnenden Wert, sondern in dem Verhältnis, das die Wirtschaftssubjekte zum Geld einnehmen und der Art und Weise, wie die Hüter der Währung die Geldpolitik nutzen, um die Stabilität des Geldeswertes zu sichern. Geld sei so scheu wie ein Reh - wird behauptet. Daher darf der Geldwert nicht politisch bestimmt werden; eine unabhängige staatliche Institution, die mit dem Schutz des Geldwertes beauftragt ist, ist die beste institutionelle Regelung, um die Gesellschaft vor den katastrophalen Konsequenzen einer Inflation zu bewahren.

Die Haltung zum Geld

Geld wird oft mit Reichtum gleichgesetzt - es darf nicht zum Lebenssinn werden. Ludwig Börne sagte einmal: Reichtum macht das Herz schneller hart als kochendes Wasser ein Ei. Und die Bibel warnt: Fällt Euch Reichtum zu, hängt das Herz nicht daran (Ps. 62, 11) (5). Der Prediger Salomo bemerkt (2,8.11): Ich sammelte mir auch Silber und Gold und was Könige und Länder besitzen .... Als ich aber ansah alle meine Werke, die meine Hand getan hatte, und die Mühe, die ich gehabt hatte, siehe, da war es alles eitel und Haschen nach Wind und kein Gewinn unter der Sonne. Geld, besser Geldliebe, ist eine Gefahr für die Beziehung zu Gott und den Charakter des Menschen (6).

Man unterscheidet zwischen personalethischen Konsequenzen wie Gottesentfremdung, Habgier und Neid, sowie sozialethischen, wie Korruption und Ungerechtigkeit. So führt Reichtum leicht zur Selbstüberschätzung (Sprüche 28,11) und zum Hochmut, der bekanntlich dem Fall vorausgeht (Sprüche 16,18). Geld kann zu Überheblichkeit und Stolz führen. In Hesekiel 28,4 f. heißt es: Durch Deine Weisheit und Einsicht schufst Du Dir Reichtum. Mit Gold und Silber fülltest Du Deine Kammern ... doch Dein Herz wurde stolz wegen all Deines Reichtums!“ Reichtum verleitet dazu, dass man sich auf ihn verlässt (Sirach 11,19), wobei man ihn jedoch nicht ins Grab mitnehmen kann (Prediger 5,12-19).

Gewarnt wird vor dem Streben nach Reichtum. Reichtum wird in der Bibel als relatives Gut angesehen, das von anderen Gütern, wie Gesundheit (Sirach 30,14), oder guter Name (Sprüche 22,4), Weisheit (Weisheit 7,8) übertroffen wird. Geldbesitz ist mit Schlaflosigkeit und Sorge verbunden. Wer das Geld liebt, bekommt vom Geld nie genug, heißt es in Prediger 5,9. Geldgier kann dazu führen, dass man vom Glauben abirrt (1. Tim. 6,16). Die Geldliebe ist die Wurzel allen Übels - nicht das Geld schlechthin. Oft wird Geld als Ursache allen Übels hingestellt. Geld ist neutral, ambivalent, ein großartiges Hilfsmittel zur Vermehrung des Wohlstandes auf dieser Erde, bringt eine Möglichkeit, Armut zu überwinden, es kann aber auch den Menschen gefährden und von Gott entfremden. Schon im 5. Mose 8,12ff. wird gewarnt: Wenn Du gegessen hast und satt geworden bist und prächtige Häuser gebaut hast und sie bewohnst, wenn Deine Rinder, Schafe und Ziegen sich vermehren und Silber und Gold sich bei Dir häufen und Dein gesamter Besitz sich vermehrt, dann nimm Dich in acht, dass Dein Herz nicht hochmütig wird und Du den Herrn, Deinen Gott, nicht vergisst, der Dich aus Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat.

Reichtum kann auch zu Machtmissbrauch führen. In Jakob 2,6 f. heißt es: Sind es nicht die Reichen, die Gewalt gegen Euch üben und Euch vor Gericht ziehen? Im Amos klagt der Prophet, dass Unschuldige für Geld verkauft würden, Arme für ein paar Sandalen, dass das Recht der Schwachen gebeugt wird und dass Geldgier Anlass zum Krieg gegen andere Völker wurde. Im 5. Mose 17 warnt Gott davor, dass der König nicht zu viel Gold und Silber anhäufen möge. Geldliebe kann zur Sünde verführen, wie Sirach 27,1 f. ausführt: Des Geldes wegen haben schon viele gesündigt, wer es anzuhäufen sucht, schaut nicht genau hin. Zwischen zwei Steinen lässt sich ein Pflock stecken; so drängt sich zwischen Kauf und Verkauf die Sünde. Aus biblischer Sicht dient Geld zur Bewährung unseres Glaubens. Geld darf ökonomisch genutzt werden, wie schon das Beispiel Jesu von den Talenten zeigt (Matt. 25,14-30; Luk. 19,19-27).

In einer Predigt über die Habsucht schrieb Basilius der Große: Eine große Flut ergießt sich in tausend Kanälen über fruchtbares Land. So lasst den Reichtum auf mannigfachen Wegen in die Wohnungen der Armen gelangen! Wenn man die Brunnen ausschöpft, geben sie mehr und reinlicheres Wasser. Wenn sie aber nicht ausgenutzt werden, so wird das Wasser faul. So ist auch der Reichtum, der brachliegt, wertlos. Kommt es aber in Bewegung und Umlauf, so wird es gemeinnützig und fruchtbar! (7)

Geld bietet eine große Chance, verlangt aber beim Umgang einen starken Charakter. Geldwertstabilität ist ein wichtiges ethisches Postulat für die Wirtschaftspolitik, da durch Inflation die sozial Schwachen und die Sparer geschädigt werden. Hohe Inflationen haben gerade in den Entwicklungsländern zu einer weiten Massenverarmung beigetragen und werden heute vermehrt als ein Hindernis für eine stetige Entwicklung verstanden. Daher muss, auch in der Auseinandersetzung um die wirtschaftspolitischen Ziele zwischen Vollbeschäftigung und Geldwertstabilität, der Primat bei der Geldwertstabilität liegen, da sie die Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung, Wachstum und Vollbeschäftigung ist. Eine hohe Staatsverschuldung mit anschließender Inflation hat langfristig keine Beschäftigung gesichert. Sollten Staatsschulden Arbeitsplätze schaffen, müssten wir bei der rasanten Erhöhung der staatlichen Verschuldung schon längst Vollbeschäftigung haben. Auch ein weiteres Absenken der Zinssätze wird kaum Arbeitsplätze schaffen - eher langfristig Inflationsgefahren hervorrufen. Deshalb ist den Politikern anzuraten, die Geldwertstabilität nicht zu gefährden. Sie sollten die Unabhängigkeit der Zentralbank mit der Hauptaufgabe, die Währung zu sichern, als wichtige gesellschaftspolitische Entscheidung annehmen. Und sie sollten es als Vorteil sehen, dass das tägliche Bemühen um Geldwertstabilität nicht auch noch in den politischen Schacher hineingezogen wird.

1) Vgl. Werner Lachmann: Geld und wie man damit umgeht, S. 17.

2) Vgl. hierzu: Karl Erich Born: Die ethische Beurteilung des Geldwesens im Wandel der Geschichte, in: Helmut Hesse und Otmar Issing (Hg.): Geld und Moral, München 1994, S. 1 - 20.

3) Siehe auch David Hackett Fisher: The Great Wave. Price Revolutions and the Rhythm of History, Oxford et al. 1996, in welchem kenntnisreich einige Preisrevolutionen, auch die des 16. Jahrhunderts, in ihren Konsequenzen dargestellt werden.

4) Siehe auch Helmut Hesse unter Mitarbeit von Gisela Roth: Moral der Stabilitätspolitik, in: Helmut Hesse und Otmar Issing (Hg.): Geld und Moral, München 1994, S. 41 - 55. Zu den Folgen der Inflation siehe auch: Werner Lachmann: Volkswirtschaftslehre, Bd. 2: Anwendungen, Berlin et al. 1995, Kap. 6.2: Inflation, S. 172 ff.

5) Vgl. auch: Werner Lachmann: Wirtschaft und Ethik. Maßstäbe wirtschaftlichen Handelns. Neuhausen - Stuttgart 1989, 2. Aufl.

6) Karl Lehmann: Geld - Segen oder Mammon? Biblische Aspekte - ein Arbeitspapier, in: Helmut Hesse und Otmar Issing (Hg.): Geld und Moral, München 1994, S. 125 - 137.

7) Vgl. hierzu auch Werner Lachmann: Eigentum, Besitz und die Frage nach der sozialen Gerechtigkeit. factum 5/1984 (Mai 1984), S. 9 - 19; derselbe: Der Christ und sein Besitz. factum 11/12-1985 (November/Dezember 1985), S. 3 - 10; derselbe: Darf ein Christ reich sein? Ethos 6/1986 (Juni 1986), S. 6 - 10.

Werner Lachmann

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