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Wirschaftsethik. Das rechnet sich nicht - und was dahintersteckt

Waldkirch, Wagner u.a., Deutscher Sparkassenverlag Stuttgart 1999, ISBN 3-09-305934-8

Das vorliegende Buch ist eine Aufsatzsammlung von Autoren unterschiedlicher Herkunft und Intention. Dementsprechend heterogen sind die Aufsätze in Struktur und Inhalt. Insgesamt beleuchtet das Buch verschiedene Aspekte des Spannungsfeldes von Wirtschaft und Ethik unter besonderer Berücksichtigung wirtschaftsethischer Fragestellungen der Kreditinstitute. Rüdiger Waldkirch befasst sich in Hohmannscher Tradition mit dem Verhältnis von Ökonomik und Ethik und plädiert, wie auch andere Autoren in dem Werk, für eine Trennung der ethischen Bewertung von Spielregeln und Spielzügen. Dabei mißt er der Gestaltung der Spielregeln in wirtschaftsethischen Fragen eindeutige Priorität bei. Andreas Wagner schreibt einen praxisnahen Beitrag zum Thema Ethikmanagement in Banken. Ausgehend von dem Gedanken, daß Moral ein Stabilisator von Verhaltenserwartungen sein kann, entwickelt er konzeptionelle Aspekte eines Ethikmanagements in Banken. Konkret an den Beispielen Vergütungs- und Beurteilungssysteme, Dokumentation ethikorienterter Verhaltensgrundsätze, Management und Aus- und Weiterbildung.

Patrik Schneider beschäftigt sich wirtschaftsethischen Fragen aus praktisch-theologischer Erfahrung, u.a. als Betriebsseelsorger. Unter dem Leitsatz „Jeder Mensch ist mehr wert als alles Gold dieser Welt“ hält er den „Gesetzen des Marktes“ das „Gesetz der Menschlichkeit“ gegenüber. Ausgehend vom Schicksal von Umstrukturierung und Rationalisierung Betroffener plädiert Schneider gegen neoliberale Gedanken für eine stärkere Lenkung der Wirtschaft. Bei aller Authenzität durch die individuelle Erfahrung ist dem Autor jedoch gelegentlich eine gewisse Einseitigkeit vorzuhalten.

Klaus Krummich und Franz A. Emdebefaßen sich mit einem Thema, das den Bezug zur Kreditwirtschaft nicht auf den ersten Blick freigibt. Ihr Beitrag steht unter dem Titel „Zum Leitbild der Nachhaltigen Entwicklung: eine ethische Herausforderung auch für die Kreditwirtschaft. Nach einer allgemeinen Klärung des Begriffs der Nachhaltigen Entwicklung geht es um die Frage der Umweltethik als Bestandteil der Unternehmensethik in der Kreditwirtschaft. Aus der Erfahrung der Sparkassenorganisationen behandeln die Autoren dann Themen wie Betriebsabläufe umweltgerecht optimieren, Umweltbezogene Kreditrisiken identifizieren und bewerten, innovative Kredit- und Anlageprodukte entwickeln.

Um Sparkassenidentität und Gesellschaftspolitik dreht sich der Beitrag von Leo Schuster. Dabei geht er der geschichtlichen Wurzeln der Sparkassen nach, die ihre Daseinsbegründung im Kampf gegen die Einkommens- und Vermögensarmut der unteren Bevölkerung haben. In einem zweiten Schritt geht es um die theoretische Begründung der Gesellschaftsorientierung, insbesondere auch im Wettbewerb mit den privaten Banken. Dabei wählt der Autor den Stakeholder-Ansatz als geeigneten Bezugsrahmen für Zielgebung und Handeln der Sparkassen, da die Gewinnerwirtschaftung von jeher nur eine - wenngleich wichtige - Nebenbedingung gewesen sei.

„Global denken, lokal handeln, international kooperieren - Sparkassen und Ethik“ lautet der Titel des Beitrages von Klaus Wilsberg. Der Autor stellt zum Eingang die Frage, inwiefern die - zur Gründung der Sparkassen unzweifelbar dominierenden - Momente Armenvorsorge oder Ersparnisbildung heute noch ethische Legitimation der Tätigkeit der Sparkassen sein können. Ausgehend von dem Leitsatz „Global denken, lokal handeln, international kooperieren“ entwirft Wilsberg einen Rahmen für die ethische Begründung der Sparkassen im ausgehenden 20. Jahrhundert. Birgit Bornemann behandelt das Thema „Schuldenprävention - ein Praxisbeispiel für Gesellschaftliche Verantwortung. Ausgehend von allgemeinen Aussagen zur Legitimation der Sparkassen, befasst sich die Autoren mit dem Thema verantwortungsvolle Verbraucherpolitik. Aufgrund der guten wirtschaftlichen Entwicklung der letzten zwei Jahrzehnte sei die Bereitschaft der Haushalte gewachsen, Kredite für Konsumgüter aufzunehmen. Arbeitslosigkeit oder familiäre Bedingungen sorgten jedoch in erheblichem Umfang dafür, daß Menschen den eingegangenen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnten. Die Sparkassenorganisation sehe es als Teil ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung an, ihre Möglichkeiten auszuschöpfen, um Überschuldung zu bekämpfen und zu vermeiden.

Fazit: Während im wissenschaftlichen Bereich vor allem bekannte Denkansätze wiedergegeben werden, zeigen gerade die praxisorientierten Beispiele, wie sich aus neuen und alten ethischen Konzeptionen Konzepte für die Praxis ableiten lassen.

Dipl.-Vw. Matthias Vollbracht; Medien Tenor, Bonn; m.vollbracht@innovatio.de

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Gesellschaft zur Förderung von Wirtschaftswissenschaften und Ethik

Society for the promotion of economics and ethics