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Wirtschafts- und Unternehmensethik in der Marktwirtschaft

Noll, Bernd, Stuttgart et al 2002 (Kohlhammer), S. 206.; ISBN: 3170165984

Es gibt Bücher, die man gerne liest; durch andere muss man sich durchquälen. Dieses Buch jedoch ist lebendig und kenntnisreich geschrieben, für Vorinformierte und Laien in gleicher Weise informativ. In zwölf Kapiteln begleitet uns der Autor durch wichtige wirtschaftsethische Problemstellungen unserer Zeit, Wobei er nicht destruktiv-negativ argumentiert, sondern stets die Wichtigkeit der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und des Anreizsystems betont, ohne die individuelle Verantwortung des Einzelnen ganz auszuklammern. Ein umfangreiches Literatur- und Sachverzeichnis verhilft diesem Buch dazu, als Nachschlagewerk zum Aufspüren von Argumenten über ethische Problembereiche zu dienen.

Die zwölf Kapitel gliedern sich in fünf Teile. Im ersten Teil werden die wirtschaftsethischen Grundlagen gelegt. Die Beziehungen zwischen Ökonomik und Ethik werden dargestellt (Kap. 1). Grundlegende Begriffe und Konzepte werden in Kap. 2 vorgestellt. Hierbei betont der Verfasser, dies ist etwas außergewöhnlich, auch die Normen und Wertgrundlagen der Ethik.

Im zweiten Teil (Kap. 4-6) wird die volkswirtschaftliche Sicht wirtschaftsethischer Probleme dargestellt. Der Verfasser geht der Frage nach, inwieweit auch eine Marktwirtschaft Moral benötigt und zeigt den Markt als moralschaffende Institution. In einem weiteren Kapitel geht er auf das Gerechtigkeitsproblem einer Marktwirtschaft ein, und im wichtigen sechsten Kapitel geht es um Wirtschaftspolitik, Demokratie und Moral.

Die betriebswirtschaftliche Sicht befindet sich im dritten Teil (Kap. 7-9), wo der Verfasser sich mit der Unternehmensethik beschäftigt. Er geht auf die ethische Verantwortung von Unternehmen ein, diskutiert die ethische Kritik an der Gewinnmaximierung und erläutert einige Konzepte zur Verbesserung des Ethikmanagements in den Unternehmen, wobei ein eigenes Kapitel auf Kodizes, Strategien und Instrumente eingeht.

Die individualethischen Aspekte werden in Kap. 10 abgehandelt, wo die Notwendigkeit der Individualethik für Unternehmen und Gesellschaft betont wird. Das Kap. 11 beschäftigt sich kenntnisreich mit dem Problem der Korruption. Sie wird nicht als Ethikversagen des Einzelnen dargestellt, sondern aus den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verstanden, wobei er die Frage der Moral einer Korruption und der Bekämpfung der Korruption intensiv diskutiert. Das Abschlusskapitel stellt die Frage nach der Notwendigkeit des Altruismus.

Das Buch ist didaktisch hervorragend, es wird durch Beispiele und tiefe Untergliederungen aufgelockert. Der Stoff wird zwar kenntnisreich aber dennoch praxisrelevant dargestellt. Es werden Hilfen für konkrete Dilemmatasituationen gegeben, wobei der Verfasser gleichgewichtig die betriebswirtschaftlichen und ökonomischen, die motivationsethischen und verantwortungsethischen Argumente darstellt.

Als roter Faden erweist sich das Problem der Prinzipal-Agenten-Beziehung. Der handelnde Mensch steht in Gefangenen-Dilemmasituationen, wobei sich die Frage stellt, wie dieses Problem gelöst wird. Der Verfasser zeigt klar, dass eine Lösung aus diesen Dilemmata nicht nur über Individualethik möglich ist (der Moralische ist dann immer der Dumme), sondern verantwortungsethisch und damit institutionenethisch gelöst werden muss.

Zusammenfassend kann dieses Buch wegen der äußerst sachlichen und ausgewogenen Darstellung als Einstieg in die wirtschaftsethische Problematik empfohlen werden.

Prof. Dr. Werner Lachmann, Ph.D.; Universität Erlangen-Nürnberg

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